Mannesmann und Vodafone: Der größte Deal der Wirtschaftsgeschichte

 

1990 stieg der Mannesmann-Konzern in ein weiteres neues Geschäftsfeld ein. Er erwarb die Lizenz zum Aufbau und Betrieb des ersten privaten Mobilfunk D-Netzes in Deutschland. Dieser Geschäftsbereich entwickelte sich überaus erfolgreich und dehnte sich in den Folgejahren auf ganz Europa aus. Mit seinen damals atemberaubenden Gewinnspannen dominierte er bald alle anderen Geschäftsbereiche. Der Mannesmann-Vorstand beschloss daher 1999, den Konzern auf den Geschäftsbereich Telekommunikation (Mobilfunk und Festnetz von Arcor) zu konzentrieren, und fasste die industriellen Aktivitäten, mit Ausnahme der Mannesmannröhren-Werke AG, in der Atecs Mannesmann AG zusammen, die ein eigenes börsennotiertes Unternehmen werden sollte. Der Geschäftsbereich Mannesmann Anlagenbau AG war Anfang 1999 an die französische Technip verkauft worden.

Vor dem Zusammenschluss der französischen Technip mit der amerikanischen FMC Technologies Anfang 2017 zur TechnipFMC trennte sich die neue Muttergesellschaft 2016 kurzfristig von ihrer deutschen Tochterfirma in Düsseldorf. Diese firmierte bis Oktober 2020, als die Insolvenz beantragt und der Geschäftsbetrieb eingestellt wurde, unter MMEC Mannesmann GmbH als eigenständige Firma.

Im November 1999 übernahm Mannesmann den britischen Mobilfunkanbieter Orange plc. und griff damit seinen Partner Vodafone auf dessen Heimatmarkt an, einen Tag später kündigte Vodafone an, Mannesmann zu übernehmen.

Feindliche Übernahme durch Vodafone

Ende 1999 begann Vodafone mit seinen Planungen einer feindlichen Übernahme von Mannesmann. Zunächst bot es rund 100 Milliarden Euro, was vom damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser als „völlig unangemessen“ abgelehnt wurde. Nach einer monatelangen Übernahmeschlacht stimmte der Aufsichtsrat am 3. Februar 2000 dem Aufkauf für letztendlich 190 Milliarden Euro zu, der bis heute teuersten Übernahme der Welt. Die Minderheitsaktionäre wurden per Squeeze-out zwangsweise abgefunden.

Der Mannesmann-Konzern wurde somit nach dem erfolgreichsten Geschäftsjahr seiner Unternehmensgeschichte (laut Geschäftsbericht 1999: Umsatz 23,27 Mrd. Euro, 130.860 Beschäftigte weltweit) aufgespalten. Die letzte Hauptversammlung der Firma Mannesmann AG fand am 22. August 2001 statt.

Die Umstände der Übernahme und die für deutsche Verhältnisse hohen Abfindungen an führende Köpfe des Unternehmens führten 2004 zur Eröffnung eines strafrechtlichen Verfahrens vor dem Landgericht Düsseldorf. Die Angeklagten, darunter der zum Zeitpunkt der Übernahme amtierende Vorsitzende des Aufsichtsrats Josef Ackermann und der Vorstandsvorsitzende Klaus Esser, wurden am 22. Juli 2004 vom Landgericht zunächst freigesprochen. Nach einem Revisionsverfahren hob der Bundesgerichtshof am 21. Dezember 2005 die Freisprüche wieder auf und verwies das Verfahren zur Neuverhandlung an das Landgericht zurück. Am 29. November 2006 wurde das Verfahren jedoch gegen Zahlung einer Geldauflage in Millionenhöhe eingestellt.

Nach der Übernahme verblieben lediglich die Festnetz- und Internetsparte um Arcor, der Mobilfunkbereich D2 sowie die europäischen Telekommunikationsbeteiligungen bei Vodafone. Der konkurrierende britische Mobilfunkanbieter Orange wurde aufgrund von Auflagen der Wettbewerbsbehörden an die France Télécom verkauft.

Zerschlagung

Die Aktivitäten im Bereich Telekommunikation wurden in die Vodafone GmbH eingegliedert. Die traditionellen Sparten des Mannesmann-Konzerns wurden durch Vodafone verkauft. Der Verkauf der unterschiedlichen Geschäftsbereiche brachte Vodafone 70 Milliarden Euro ein, weniger als die Hälfte des Kaufpreises des Gesamtkonzerns von 190 Milliarden Euro.

 

QR-Code dieser Seite

QR-Code dieser Seite
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.